Donnerstag, Dezember 08, 2011

Herausragende Justiz-Berichterstattung:

Sechs Journalisten mit Regino-Preis geehrt

Köln, 08. Dezember 2011 Sechs Journalisten sind in diesem Jahr mit dem Regino-Preis für herausragende Justizberichterstattung ausgezeichnet worden. Die festliche Verleihung fand am gestrigen Mittwoch beim Deutschlandfunk in Köln statt. Der Preis wird jährlich von der Neuen Juristischen Wochenschrift (NJW) aus dem Verlag C.H.Beck sowie dem Initiator des Preises, dem Koblenzer Rechtsanwalt Wolfgang Ferner, vergeben. Der Regino-Preis würdigt journalistische Leistungen zu Justiz-Themen in den Kategorien Print, Rundfunk und Fernsehen.


Wichtig ist, dass juristische Themen ihr Forum bekommen, auch durch diesen Preis, betonte Stephan Detjen, Chefredakteur des Deutschlandfunks, dem diesjährigen Gastgeber der Preisverleihung.

 In der Kategorie Print entschied sich die fünfköpfige Fachjury dazu, den Preis gleich zweimal zu überreichen. Die begehrte Trophäe ging an Marc Neller von der Welt am Sonntag für die Reportage "Kleines Haus, großer Kampf" sowie an Friedrich Caron-Bleiker mit seinem Beitrag "Komm', hab dich nicht so" für den Weser Kurier und die Bremer Nachrichten.



Neller dokumentiert den Fall eine Berliner Hauseigentümerin, die gegen ein umfangreiches Bauprojekt vor Gericht zog und letztlich gewinnt. Caron-Bleiker schildert einen Mißbrauchsfall, der sich von der Tat bis zum abschließenden Urteilspruch vor dem Landgericht mehr als 18 Jahre hinzieht. Laudatorin und Jury-Mitglied Hildegard Becker-Toussaint lobte die emotionale aber zugeich faire Berichtstattung beider Preisträger. "Die Autoren haben sich kritisch mit der Justiz auseinander gesetzt, und zwar anhand von spannend geschilderten Einzelfällen, die den Leser die Begegnung von Bürgern mit der Justiz anschaulich miterleben und mitleiden lassen, so Becker-Toussaint.



In der Kategorie Hörfunk freute sich Margot Overath vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) über die Auszeichnung. In ihrem einstündigen Feature "Verbrannt in Polizeizelle Nummer fünf rekonstruiert sie den Tod eines Asylbewerbers, der 2005 in Dessau auf der Polizeiwache unter bis heute nicht völlig geklärten Umständen ums Leben kam. "Text und Musik sind so intensiv, dass sie ans Innere gehen", begründete Wolfgang Ferner die Wahl der Jury. "Viele Details bleiben lebhaft in Erinnerung. Ein Feature, das beunruhigt."



Der Regino-Preis in der Kategorie TV ging an die gemeinsame Fernsehdokumentation von Anika Giese, Anna Orth und Robert Bongen vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) mit dem Titel "Der Kachelmann-Komplex". Darin beleuchten die Macher das Mediengericht im Fall Kachelmann und fragen nach den Konsequenzen. Bernhard Töpper, Jury-Mitglied und ehemaliger Leiter der ZDF-Rechtsredaktion in seiner Laudatio: "Dieses Mediengericht überhaupt öffentlich zu machen, ist Verdienst der NDR-Doku. Mit hoher handwerklicher Professionalität, gründlicher Recherche und überzeugender messerscharfer Analyse deckt die Dokumentation das Zusammenspiel hinter den Kulissen zwischen bestimmten einzelnen Print-Medien und Prozessbeteiligten auf. Ein herausragendes Beispiel für kritischen und unabhängigen Journalismus."



Foto: Glückliche Preisträger v.l.n.r: Margot Overath, Marc Neller, Robert Bongen, Anika Giese, Friedrich Caron-Bleiker, Anna Orth
Schon vor der Preisverleihung forderte Festredner Rechtsanwalt Prof. Norbert Gatzweiler in seinem Vortrag Der Einfluss aktiver, konfliktbereiter Strafverteidigung auf das Prozessergebnis eine moderne Strafverteidigung, die sich frei entfalten kann. Die Strafverteidigung muss alle eingeräumten Rechte aktiv und konsequent ausüben, betonte der Jurist. Eine wohlige Harmonie mit den Strafverfolgungsbehörden sei fehl am Platz.

 Ein einfacher Mönch als strebsamer Journalist

Der Regino-Preis ist benannt nach dem strebsamen Rechtslehrer und Geschichtsschreiber Regino von Prüm (840 915 n.Chr.), auch Regino von Altrip genannt, der Ende des 9. Jahrhunderts als Abt im damals bedeutenden Kloster Prüm in der Eifel lebte. Weder Erfolg noch Niederlagen hielten den einfachen Mönch von seinem unermüdlichen Streben ab, sein Leben lang aufzuklären, zu dokumentieren und Ereignisse niederzuschreiben. Dotiert ist der Regino-Preis, der seit dem Jahr 2000 verliehen wird, mit 750 Euro je Kategorie.


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